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Auszug aus unserer Satzung / Geschäftsordnung
Lückenhaft nur sind uns aus dem Mittelalter Original-Gründungsprotokolle und Urkunden aus dem Leben der Bürger überliefert. Somit hilft für eine genaue Datenfestlegung nur sorgfältige Spurensuche. Das gilt für die Verleihung der Stadtrechte an die Stadt Mölln genauso wie für die Gründung der Möllner Schützengilde, zumal sie im Laufe der Jahrhunderte ihren Namen einige Male änderte.
Eine verläßliche Quelle bildet das älteste Möllner Stadtbuch, das bis 1316 zurückreicht. In ihm wurden sorgfältig von den Stadtschreibern alle in Mölln ansässigen Bruderschaften und Gilden mit ihren Aufgaben und Tätigkeiten festgehalten. Wobei es sich fast durchgehend um gottesdienstliche, soziale oder sonstige Hilfsdienste für die Allgemeinheit handelte. Sie alle aber fanden mit der Reformation ihre Auflösung, bis auf eine: Die Große oder Mariengilde !
1413 tauchte ihr Name zum ersten Mal im Stadtbuch als "fraternitatis majoris ghylde" anläßlich einer Rentenverschreibung auf. Aus dem gleichen Grunde wiederum 1426 und 1473 ist von den "ghyldemesteren effte vorstandere des groten ghyldes unserer leeven frouen" die Rede.
Unser früherer Schützenoberst, Gen. Heino Oetken, sah bei seinen Forschungen eine weitere Wurzel in der 1407 erwähnten "sunte Joste ghylde" -Sankt JacobGilde-.
Gegeben hat es die Mariengilde auf jeden Fall schon vor diesen aufgefundenen Datierungen und im Gegensatz zu den anderen Bruderschaften und Gilden umfaßte sie alle Möllner Vollbürger (Steuerzahler, Hausbesitzer), ganz gleich welchem Beruf diese nachgingen. Neben wichtigen kommunalen Aufgaben wie der Regelung des Weide- und Jagdrechtes, der Holznutzung und etlicher Pachtangelegenheiten, oblag ihr vor allem der Wachdienst und Schutz der Stadtbefestigungen und der Stadttore.
Die hierfür erforderlichen Waffen, zunächst Armbrüste, später dann Büchsen und Flinten, hatten die Gildebrüder selbst zu stellen. Einmal im Jahr wurden von der Gilde Waffenzustand und Schießleistungen überprüft. Dabei mußte ein hölzerner Vogel von der Stange heruntergeschossen werden, das Goye- oder Vogelschießen. Mit Ausmarsch und Einholen des besten Schützen, Vergnügen und Tanz für die ganze Bevölkerung entwickelte sich daraus das Schützenfest als echtes Volksfest.
Aus einer Abteilung innerhalb der Großen oder Mariengilde, die sich "Schützengesellschaft" nannte, ergab sich mit der Zeit für die ganze Gilde die Benennung "Möllner Schützengesellschaft von 1518".
Bei Besuchen der Landesherren oder anderer Fürstlichkeiten trat die Gilde unter Gewehr an und stellte das Ehrengeleit. Die große Begeisterung nach den Befreiungskriegen, von der das ganze deutsche Volk umfaßt wurde, führte nach langer Zwangspause 1818 zu einer Art Uniformierung und zur Bildung je einer Abteilung Schützen, Artillerie und Reiterei. Ab 1828 gab es auf Gildebeschluß zwei Kompanien, bekleidet mit schwarzem Anzug und hohem Hut.
Der Wunsch nach einer Uniform war aber geblieben und in Erinnerung an die Jäger-Freikorps wurde am 3. Juli 1861, nach anfänglicher Ablehnung durch den Magistrat, eine Jägerkompanie gegründet. Getragen wurde ein hochbordürter dunkelgrüner Rock, am Jägerhut als Schmuck ein Hahnenschweif. Diskussionen löste zunächst die ihn haltende Kokarde aus. Keinesfalls sollte ihre Farben rot/weiß, die des dänischen Landesherrn sein. Auch die preußischen schwarz/weißen Landesfarben fanden keine Mehrheit. Alter Historie folgend wurde das sachsenlauenburgische schwarz/gold des einstigen askanischen Herzogshauses gewählt.
Wohl verlor die Gilde mit der Verkoppelung 1854 ihre umfassenden Verpflichtungen für das Gemeinwohl der Stadt und damit auch viele erworbene Rechte, die Gilde als Hort von Bürgersinn, Kameradschaft und Tradition lebt fort. Königsketten, Zinnkrüge und alte Fahnen erinnern an die ehrwürdige Geschichte der "Möllner Schützengilde von 1407“ wie sie seit 1964 heißt. Im gildeeigenen Schießhaus, 1756 vom Windmüller erworben, finden ihre Versammlungen statt. Dort hat auch das 1979 gegründete Jungschützenkorps sein Zuhause und dort haben die Zeugnisse der Freundschaft mit der Bürgergarde Mauterndorf ihren Platz.
Das Wirken der Möllner Schützengilde von 1407 findet in der Verpflichtung der Neumitglieder jeweils am Sonntag des Schützenfestes seinen Sinn:
“Bürgersinn und Kameradschaft zu pflegen,
zum Wohle
der Möllner Schützengilde
und zum Wohle der Stadt Mölln."
(Alfred Flögel)
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